Internationalen Tag des alkoholgeschädigten Kindes am 9. September 2007

2.9.2007 | Berlin/Lingen

Presseerklärung zum Internationalen Tag des alkoholgeschädigten Kindes am 9. September

Fetale Alkoholspektrum-Störungen (FASD) zählen zu den häufigsten angeborenen Behinderungen in Deutschland: nach vorsichtigen Schätzungen ca. 4000 Neugeburten pro Jahr. Die Dunkelziffer wird um mehr als das Doppelte höher angenommen. FASD sind eine vermeidbare Behinderung, denn sie werden ausschließlich durch Alkoholkonsum werdender Mütter während der Schwangerschaft verursacht. Acht von zehn Kindern mit alkoholbedingten Schädigungen sind ihr Leben lang auf Betreuung angewiesen. Amerikanische Statistiken geben die lebenslangen Kosten für jedes betroffene Kind mit 2 Millionen U.S. $ an.

Deutschland ist in Bezug auf alkoholbedingte Behinderungen ein Entwicklungsland:

  • Es gibt keinerlei nennenswerte Aufklärungsprogramme, die vor den Gefahren durch Alkohol für das werdende Leben warnen.
  • Hartnäckig hält sich – selbst unter Ärzten – die falsche Vorstellung, dass „ein bisschen Alkohol“ während der Schwangerschaft nicht schade.
  • Es gibt keine Forschungsprogramme.
  • Es gibt kaum Mediziner, die alkoholbedingte Schädigungen diagnostizieren können. Bei Gynäkologen, Kinderärzten und Neurologen herrscht weitverbreitete Unkenntnis über die Merkmale dieser Behinderungen. Folglich bleiben die meisten betroffenen Kinder undiagnostiziert.
  • Es gibt keine Hilfeinfrastruktur für alkoholgeschädigte Kinder. Während z.B. in den USA in jedem Bundesstaat ein oder mehrere Diagnosezentren zur Verfügung stehen, gibt es in der Bundesrepublik kein einziges.
  • Es gibt kaum Einrichtungen, die auf die Betreuung alkoholgeschädigter Kinder spezialisiert sind.
  • Politik, Gesundheitswesen und Gesellschaft nehmen alkoholgeschädigte Kinder nicht hinreichend als Problem wahr. Sie fallen durch alle sozialen Netze.

Zum internationalen Tag des alkoholgeschädigten Kindes fordern FASword Deutschland e.V. und die Beratungsstelle für alkoholgeschädigte Kinder, diese Missstände zu beseitigen. Eine Gesellschaft, in der immer weniger Kinder geboren werden, kann es sich nicht leisten, dass Tausende im Mutterleib mit Alkohol vergiftet und verkrüppelt werden. Eine humane Gesellschaft kann es sich nicht erlauben, den betroffenen Kindern jegliche Unterstützung zu verweigern.

Zum Tag des alkoholgeschädigten Kindes haben wir an verschiedenen Orten in Deutschland die Kirchengemeinden aufgerufen, um 9:09 Uhr die Glocken läuten zu lassen um ein Zeichen der Verbundenheit mit den betroffenen Kindern zu setzen und die einfache Botschaft zu vermitteln:
ALKOHOL IN DER SCHWANGERSCHAFT SCHÄDIGT DAS KIND.

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